Carbenie´s World

Mein Leben

Kategorie: Kurzgeschichte

Der kaputte Krug

Autor: unbekannt

Es war einmal ein Wasserträger in Indien. Auf seinen Schultern ruhte ein schwerer Holstab, an dem rechts und links je ein großer Wasserkrug befestigt war. An dem einen gab es nichts auszusetzen, mit ihm konnte der Wasserträger am Ende seines langen Weges vom Fluss zum Haus seines Herrn eine volle Portion Wasser abliefern. Der andere hingegen hatte einen Sprung. In ihm war höchstens die Hälfte der ursprünlichen Wassermenge, wenn er an dem Haus ankam.

Über zwei Jahre lieferte der Wasserträger seinem Herrn täglich einen vollen und einen nicht einmal halbvollen Krug. Der intakte der beiden Krüge war sehr stolz darauf, dass der Wasserträger in ihm stets die volle Portion transportieren konnte. Der Krug mit dem Sprung hingegen schämte sich, dass er durch seinen Makel seinen Dienst nicht gut versehen konnte.
Eines Tages sprach der kaputte Krug zum Wasserträger: „Ich schäme mich so für mich selbst – es tut mir so leid für dich, dass ich bin, wie ich bin.“
Der Wasserträger sah den Krug erstaunt an: “ Aber wofür schämst du dich denn?“
„Dass ich so viel Wasser verliere. Du strengst dich immer so an. Aber du bekommst nicht den vollen Lohn, weil du nie zwei volle Krüge abliefern. kannst.“
Da sprach der Wasserträger: „Achte das nächste Mal, wenn wir zum Haus meines Herrn gehen, auf die prachtvollen Wildblumen am Strassenrand.“
Der traurige Krug nickte und sie machten sich auf den Weg. Am Ende des Weges aber fühlte sich der Krug wieder ganz elend und entschuldigte sich erneut beim Wasserträger. Der aber sagte: „Hast du die Blumen am Strassenrand bemert? Und hast du auch gesehen, dass sie nur auf deiner Seite des Weges wachsen, nicht aber auf der, wo ich den anderen Krug trage?“
„Ja, das habe ich gesehen“, sagte der Krug.
„Ich habe deinen Sprung von Anfang an bemerkt“, fuhr der Wasserträger fort. „Daher habe ich einige Blumensamen gesammelt und sie auf deiner Seite des Weges vertreut. Jedes Mal wenn wir zu Haus meines Herrn gelaufen sind, hast du sie gewässert. So habe ich jeden Tag einige dieser wundervollen Blumen pflücken können und damit den Tisch meines Herrn und auch meinen eigenen dekoriert. All diese Schönheit hast du geschaffen – und mein Herr hat mich für die schönen Blumen stets reichlich entlohnt.“

Ein wunderschöner, trüber Tag

„Komm, lass uns endlich gehen!“ rief Lara ihrer Freundin Nina zu. Beide saßen an einem Tisch mitten in einer alkoholisierten, aufgeheiterten Party.

Vor ein paar Minuten kam eine komplette Fußballmannschaft hereingestürmt. Sie umringten die zwei Geburtstagskinder, redeten, lachten und zum Schluss grölten sie aus vollem Halse ein Geburtstagslied.

Laras Blick fiel auf einen gut aussehenden Mann, schwarze längere Haare. Ein  sympathischer Eindruck breitete sich in ihr aus.  Schon vom Zusehen, bekam sie Lust  mitzusingen.

`Ach, keine Chance‘, dachte sie bei sich und schaute zu ihrer besten Freundin hinüber. Nina hatte lange, lockige, schwarze Haare. Dunkelbraune Augen und kam mit ziemlicher Sicherheit an die Idealmaße von 90-60-90 ran.

„Ach komm, bleiben wir noch eine Weile, wird doch gerade erst lustig!“

Sie beäugte einen großen stattlichen Mann, mit blonden Haaren, einfach genau Ninas Typ.

„Wehe“, lachte Lara sie an, „Du lässt mich hier alleine sitzen!“ nicht mehr lachend, sondern eher mit Nachdruck, hängte sie diesen Satz noch dran.

Eigentlich war sie nur Nina zu Liebe mitgekommen auf die Party. Diese wollte unbedingt ihren Schwarm wieder treffen. Stundenlanges betteln ihrerseits hatte dazu geführt, dass sie Lara umstimmen konnte. Dabei wusste sie doch, wie es endete.

Nina wird nach Sichtung ihres männlichen Objektes nach einigen Minuten weit und breit nicht mehr auffindbar sein, das ist dann dieser Zeitpunkt, wo Lara frustriert nach Hause gehen würde.

Die Stimmung wurde zunehmend alkoholisiert und als ihr Blick zu Nina rüber flog, fand sie nur noch einen verlassenen Platz vor.

Genervt und traurig ließ sie ihren Blick durch das Zelt schweifen. Nina war mal wieder komplett verschwunden. Es war so typisch für Nina, sie schleppte Lara immer nur mit, damit sie nicht alleine auf die Party kommen musste und ließ ihre Freundin im Stich. Die fröhlichen Leute um sie herum, machten Lara nur noch einsamer und trauriger. Sie packte ihre sieben Sachen und begann die Suche nach ihrem Mantel.

Wenn sie wenigstens den tollen Typ von vorher nochmal sehen könnte, aber der war wohl auch verschwunden.

Unter einem Berg von Jacken, Pullovern und Mäntel fand sie endlich ihr gutes Stück.

„Hallo“, sagte eine Stimme hinter ihr. „Du möchtest schon gehen, die Party hat doch gerade erst angefangen!“

Etwas genervt, was das wohl wieder für einer ist, drehte sich Lara abrupt um. Mit großen Augen starrte sie ihr Gegenüber an. „Wie, was, nein!“ stammelte sie hilflos. Schwarze Haare, tiefblaue Augen und das Lippenpiercing fielen ihr sofort auf. Ungläubig drehte sie sich nochmal um. Er konnte wirklich nur sie gemeint haben. „Ich heiße Andi, ist der Platz noch frei?“ „Ja klar, ich bin Lara und ja ich wollte eigentlich gerade gehen, da meine Freundin Nina mich mal wieder alleine sitzen gelassen hat!“ Verdutzt hörte sie sich selber zu, warum nur sag ich das?

Vor Wut presste sie die Lippen zusammen, um nichts mehr zu sagen.

„Ach so, ja das kenne ich, aber dass sollte einem die Laune nicht verderben. Komm bleib noch etwas da, jetzt hab ich vielleicht noch eine Chance dich kennen zu lernen!“

Sie lachte ihn an. `Gefallen tut er mir ja schon super‘, dachte sie.

„OK, dann rauch ich erst mal eine, dann sehen wir weiter. Ich kann danach immer noch gehen.“ Sie holte ihre Handtasche hervor, legte ihren Mantel auf den Berg zurück, und begann in ihrer Handtasche herum zu kramen.

Sie fischte Zigarette und Feuerzeug heraus. Nachdem die Zigarette endlich brannte, schaute sie ihn an und musste lachen. Er sah verdammt gut aus und er lachte zurück.

„Was hast du noch vor, wenn du dann vielleicht jetzt gleich gehst?“

„Gar nichts, nach Hause gehen, meine drei Kinder warten bestimmt schon“, scherzte sie und grinste ihn frech an.

„Kinder?“

„Ja, meine drei Frettchen… sie verhalten sich wie Zweijährige!“

„Ach so!“ Wie ein Felsbrocken, der vom Herzen fiel, kam das Wort heraus.

„Frettchen, ist ja süß! Ich habe eine Katze zu Hause! Charlotte schläft am Liebsten auf meinem Bauch und wehe man stört sie dabei. Echt ulkig, dann fängt sie an zu fauchen und man sieht sie den ganzen Tag nicht mehr.“

„Oh, ich hab ganz vergessen, möchtest du auch eine?“ Lara deutete auf den Glimmstängel. „Nein, danke, ich rauche nur Tabak. Ist billiger und schmeckt besser.“

„Ja, da hast du Recht, ich hab auch eine Weile Tabak geraucht!“

„Möchtest du etwas trinken?“, fragte Andi Lara und sah ihr einen kurzen Augenblick in die Augen.

Sie zuckte leicht zusammen und hastig drehte sie sich Richtung Getränke, überlegte kurz und sagte, etwas zu laut: „Hmm, ich muss noch Autofahren. Eine Cola vielleicht?“

Eine bekannte Stimme hinter ihr sagte plötzlich: „Du kannst auch bei mir übernachten, wohn doch gleich quasi um die Ecke.“

Die Stimme gehörte zu Ihrem Cousin Elu der hinter ihr stand.

„Was machst DU denn hier?“

„Feiern!“ sagte er fröhlich, „wie gesagt, Angebot steht.“

„Er flüsterte ihr ins Ohr: „Hausschlüssel liegt unter der Matte. Und hey, der Andi ist echt ein Lieber.“

Grinsend, dann laut lachen lief er davon.

„Ok, bring mir bitte ein Gläschen Bowle mit.“

„Klar, Moment.“

Er stand auf, lief in Richtung Bowle und warf einen Blick zurück. Lara, die ihm nachgesehen hatte, schaute weg. Sie ließ ihren Blick über die Menschenmenge gleiten und hoffte Nina zu entdecken.

Sollte sie sie vielleicht suchen gehen. In diesem Moment kam Nina auf sie zu gerannt: „Also!“, brüllte sie, „ich geh jetzt, kommst du mit?“ Verärgert angelte sie ihre Jacke aus dem Mantelberg. „Was ist denn los?“ Lara hielt sie am Arm fest. Zusammen ließen sie sich auf die Bank fallen.

„Ach, dieser Louie, so ein Arsch, total oberflächlich und … ach… kommst du jetzt mit?“

„Nein, ich bleib noch!“

Verdutzt musterte Nina Lara. Hastig sagte sie:“Elu mein Cousin ist auch da, ich kann bei ihm schlafen, wenn ich möchte.“

„OK, bye“

Wahrscheinlich hatte Louie sie abserviert, sonst wäre sie nicht so schnell von einer Party verschwunden. Zum Glück hat sie Andi nicht getroffen, nachher macht sie sich noch an ihn ran.

Sie schaute in Richtung Bar und ihr Herz blieb stehen. Nina stand aufreizend vor Andi und schien ihn schon fast um den Finger gewickelt zu haben.

Ihre gute Laune fiel fast bis zum Gefrierpunkt. Kampfbereit stand sie auf. In diesem Moment sah er sie an. Sein Blick hatte etwas Gequältes, dann lachte er ihr kurz zu. Er schien kleine abwehrende Gesten zu Nina zu machen. Aber so was ist Nina egal, nur noch ein bisschen und sein Wille ist gebrochen, wie bei allen Männern.

Lara starrte Andi immer noch an. Sie stand nun wirklich auf und holte sich ein Glas Bowle. Jetzt erst Recht.

Sie lief an den beiden vorbei und meinte zu Nina spitz: „Wolltest du nicht gehen?“

„Ja schon, aber stell dir vor, da sehe ich ihn, Andi heißt er!“

„Ja, ich weiß“, ihre Stimme zitterte leicht.

Andi schaute demonstrativ auf seine Uhr: „Oh man, ich muss los!“

Er verabschiedete sich bei Nina, umarmte Lara kurz und steckte ihr dabei einen kleinen Zettel zu.

„Gut, dann geh ich auch.“ Nina wollte Andi hinterher, aber konnte ihn nirgends mehr entdecken.

„Mist!“ jetzt klang sie wirklich sehr wütend. „Bis morgen!“ Doch Lara verabschiedete sich nur halbherzig und sagte: „Ja klar, Bussi“. Dann zog Nina frustriert ab.

Laras Kopf war bei dem winzigen Zettel in ihrer Hand. Eine Telefonnummer stand drauf und:

Ich warte vorne rechts am Eingang hinter dem Baum, wenn du möchtest.

Ihr Glas Bowle hatte sie fast unbemerkt ausgetrunken. Sie holte ihre Tasche und ihren Mantel, sagte kurz Elu Beschied, dass sie frische Luft braucht und ging klopfenden Herzens hinaus zu den Bäumen.

`Eigentlich kenn ich ihn nicht, warum mach ich so was‘, dachte sie sich und etwas mulmig wurde ihr zumute.

Die schlechten Gedanken wegwischend, ging sie erwartungsvoll weiter.

Lässig am Baum gelehnt stand Andi da, eine selbst gedrehte Kippe im Mund. Er drückte sich weg, und kam auf Lara zu. Sie einfach in den Arm nehmend, hauchte er ihr ins Ohr:

„So hallo! Schön, dass du gekommen bist und danke, dass du mich von Nina befreit hast.“

„Es ist unglaublich, wie viele Männer auf sie reinfallen.“

„Wollen wir ein Stück gehen?“ fragte er sanft.

„Ja gerne“, erwiderte Lara, ihren Ohren und Augen kaum trauend. Es war eine trübe Nacht, aber man konnte vereinzelt Sterne entdecken.

„Ich hatte schon gedacht, dass Nina dich um den Finger wickelt!“ Leicht zögernd äußerte sie ihre heimliche Vermutung.

Er lachte lauthals „Nein, sicher nicht, vor allem, weil ich doch davor so eine nette Bekanntschaft gemacht hatte.“

Er angelte sich Laras Hand, drückte sie kurz und ließ sie wieder los. Lara merkte, wie sie errötete, aber zum Glück war es dunkel. Auf einmal merkte sie den Alkohol. Sie musste sich auf den Weg konzentrierte, sie hatte von der Bowle doch einen kleinen Schwips bekommen und die frische Luft verstärkte das Ganze noch.

Beherzt griff sie nach seiner Hand, stolperte dabei über einen Stein und plumpste auf ihn. Überrascht von dieser Aktion konnte Andi sich nicht mehr halten und beide fielen auf den Boden. „Autsch, hey tut mir so leid“ rief Lara und musste laut lachen. „So was Dummes!“ ärgerte sie sich über sich selbst. „Ich … Andi rappelte sich hoch, und zog Lara mit sich. Er ließ sie aber nicht aussprechen, sondern drückte ihr einen Kuss auf die schimpfenden Lippen.

Sprachlos schaute Lara Andi an und ihr Herz fing heftig an zu schlagen. „Tut mir…!“ „Ist ja gut nichts passiert“, lachte er. „Du bist ja echt ein Tollpatsch!“

Er nahm ihre Hand und fragte sie: „Ist bei dir alles in Ordnung?“

„Ja sicher, alles gut, gibt einen großen blauen Fleck, aber das ist nicht schlimm.“

Im Laufen fing sie an mit dem Daumen seine Hand zu streicheln, kurz vor dem Zelt, stellte sie sich vor ihn hin. Der Sturz war wohl auf nassem Boden gelandet.

Beide dreckig von oben bis unten. Im selben Moment bemerkten sie die Aktion und fingen lauthals zu Lachen an. Lara umarmte Andi „Trotzdem sorry“, flüsterte sie ihm ins Ohr. „Du siehst auch nicht besser aus.“ antwortete er. Sie ließ ihn los trat ein Stück zurück betrachtete ihn und dann sich. „Aber du hast den Schlamm besser erwischt.“ Sie sah ihm in die Augen, ihr Lächeln verschwand. Er trat auf sie zu und küsste sie, ganz sanft und leicht. Sie erwiderte den Kuss und legte ihre Arme um ihn. Schmetterlinge tanzten in ihrem Bauch. „Na, na, na!“ Was ist hier den los?“ Lara und Andi zuckten zusammen, klar sie standen direkt vor dem Eingang. „Nichts“, rief Andi, „hast wohl noch nie zwei Menschen gesehen, die sich mögen.“ Lachend drückte er Lara noch einen Kuss auf den Mund.

Das Personalgespräch

Frau Lara Fröhlich betrat schwungvoll ihren Arbeitsplatz im Labor, begrüßte ihre Kollegin, Frau Julia Seele, setzte sich an ihren Platz und holte ihre Unterlagen aus der Schublade. Gerade wollte sie Julia erzählen, wie sie ihre freien Tage verbracht hatte, als die Stimme ihres Chefs durchs Labor dröhnte. „Frau Fröhlich!! Bitte kommen sie in mein Büro!“ Sie zuckte leicht zusammen, stand nach einigen Sekunden auf und ging zum Chefbüro.
Sie klopfte an und betrat, mit leichten Magenschmerzen, das Büro von ihrem Chef.
„Bitte, nehmen sie Platz“, er deutete auf einen der zwei Stühle, die vor seinem Schreibtisch standen.
„Ich bin gleich soweit.“ Herr Dr. Griesgram hackte im Zwei-Finger-Such-System auf seine Tastatur ein. Währendessen rutschte Lara auf ihrem Stuhl unruhig hin und her.
Jetzt lässt er mich wieder warten, dachte sie.
„Einen kleinen Moment noch, Frau Fröhlich.“ Er tippte eifrig weiter. Er sprach jeden, so oft er nur konnte, mit Namen an.
„So!“ Er machte eine fahrige Handbewegung. „Dieser Papierkram… Bürokraten… haben ja keine Ahnung“, nuschelte er vor sich hin und packte seine Unterlagen in eine Schublade.
Sie sah ihm ins Gesicht. Sein Doppelkinn und seine Speckfalten am Hals riefen in ihr leichten Ekel hervor.

„Es geht um ihre Projekte, Frau Fröhlich“, fing er das Gespräch endlich an und fixierte sie mit seinen gelb-grünen Augen. „Aber vorher sollten wir ein Personalgespräch führen das Letzte liegt ja nun schon etwas länger zurück!“ Er zwinkerte. „Sie haben natürlich nichts dagegen, oder?“ Mit lauerndem Blick starrte er sie an. Anscheinend erwartete er, dass sie ihm widersprach.
„Nein, natürlich nicht“, antwortete sie scheinheilig und ignorierte seinen penetranten Blick, indem sie ihm auf die Nase schaute. Der lauernde Blick verschwand darauf augenblicklich und er wandte sich seinen Unterlagen zu.
„Es sind mir, in ihrer Abwesenheit, ein paar Dinge aufgefallen.“ Er holte tief Luft und sprach weiter. „Sie werden in Zukunft die Qualitätskontrolle allein übernehmen. Ich habe das Gefühl, dass sie korrektes Arbeiten erst lernen müssen. Ihre Arbeitsweise ist chaotisch und unstrukturiert.“
Sie nickte, verstand aber nicht wirklich was er meinte. Sie verließ ihren Arbeitsplatz immer sauber und…
„Die Qualitätskontrolle…“ riss er sie aus ihren Gedanken. „…ist ein Gütesiegel, da dürfen wir keine Fehler machen. Ihre Protokolle, Frau Fröhlich, sehen ordentlich aus, aber der Inhalt, Frau Fröhlich, manchmal muss ich lachen.“ Er lachte aus vollem Halse, als hatte er einen besonders guter Witz erzählt.
Sie zog ihre Mundwinkel nach oben und grinste, nur aus Höflichkeit, mit. Sie empfand, ab dem ersten Tag an, schon eine heftige Abneigung gegen diesen Mann. Auch wenn sie es niemandem erzählen würde, fühlte sie sich von seinen Blicken sexuell belästigt.
„Wissen sie, Frau Fröhlich, ich habe ein Puzzle in meinen Kopf und bei diesem Puzzle fehlen ein paar Teile. Sie erledigen eine Aufgabe, ein Puzzleteil, und ich versuche dieses Puzzleteil einzufügen. Nur irgendwie passen einige Teile nicht in das Bild. Es kommt mir so vor, als würde sie sich die besten Werte aussuchen und die anderen verschweigen. Es passt nicht zusammen, Frau Fröhlich, verstehen sie was ich meine?“ Die ganze Zeit starrte er sie an, musterte sie immer wieder von oben bis unten.
„Ich verstehe was sie meinen, ich fälsche keine Werte.“ Ihre Stimme zitterte. So einen Ansturm auf ihre erledigte Arbeit hatte sie nicht erwartet. „Frau Fröhlich“, begann er wieder, ohne weiter darauf einzugehen, „wir werden für ihre Projekte einen Zeitplan erstellen, an den sie sich zu halten haben. Wenn sie etwas nicht verstanden haben, dann fragen sie nach!“
„Ja“, lenkte sie ein, aber gleichzeitig stieg Wut in ihr hoch. Chaotische Arbeitsweise, das ich nicht lache, er lässt doch selber alles liegen, dass ich dann wegräumen muss.
„Sie erledigen zuerst die Qualitätskontrolle, bevor sie mit ihrer Projektarbeit weiter machen. Ich werde mir vor Feierabend die Protokolle der geprüften Produkte genau anschauen.“ Er machte eine abschließende Geste.
„Ist ok!“ Sie sagte es mit Nachdruck und hoffte, dass sie sich jetzt den Projekten zuwenden konnten.
Vor sich hin starrend und mit knetenden Händen, wartete sie darauf, dass er weiter sprach. Er packte, wie von ihr gehofft, die Unterlagen weg und holte die Mappe mit ihren Projekten hervor.
Nach einer halbstündlichen Unterweisung verließ sie das Zimmer mit finsterem Gesicht und suchte ihre Kollegin auf.

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